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LEKTÜRE

Meine schöne Welt (von Brigitte Schwaiger)

Irrenhaus sagt man nicht mehr. Es ist genau wie draußen, in der Nacht ist keiner da. Aber aufhängen kannst du dich auch nicht, das ist der Vorteil. Vom Stimmenhören, Pillenschlucken und Schwachsein.
Gott (in der EU-Verfassung kommt ER, glaube ich, nicht vor, aber hier bei mir geht's ohne IHN nicht, Schönborn wird sich freuen), Gott hat also mich ziemlich wahnsinnig auf die Probe gestellt in den letzten Jahren und überhaupt den letzten Jahrzehnten. Sodass ich zum Beispiel Anfang der Achtzigerjahre, als es nicht mehr auszuhalten war, Österreichs prominenteste, immer gefragte Schriftstellerin zu sein, betete: "Lieber Gott, bitte hilf mir, lass einmal eine andere Frau die immer gefragte Schriftstellerin sein, nicht mehr mich." Und ER hat mich erhört: Bitte, liebe Brigitte Gertraud, das kannst du haben. Einige Jahre vergingen oder nur ei- nes, möglicherweise, da war "Die Klavierspielerin" da, der große Hit. Eine Rowohlt-Angestellte sagte zu mir bei einem Abendessen: "Sie wissen, Frau Schwaiger, dass Elfriede Jelinek, von der wir ,Die Klavierspielerin' herausgebracht haben, derzeit die gefragteste österreichische Autorin ist."

Wieder vergingen einige Jahre, ich wurde Sozialhilfeempfängerin, Elfriede Jelinek gewann einen Preis nach dem andern, ich sagte zu Gott: "Bitte schön, es ist genug." Doch Gott war so in Schuss oder hatte schon al-les geplant, jedenfalls erhielt sie voriges Jahr den Nobelpreis . . . "Na ja, reg dich nicht auf", sagte Peter Henisch, "du musst da nicht neidisch sein, schau, es ist ein Ansporn. Und außerdem hast du jetzt einen
Gottesbeweis." Nun, er ging hin und arbeitete fleißig weiter an seinem Roman "Die schwange- re Madonna", der jetzt in aller Munde ist. Ich ging hin und ließ mich behandeln im AKH, Psychiatrische Universitätsklinik, Borderline-Station (Abteilung 5 B). Stimmen hören. Das erste Mal bin ich erschrocken. Es war im Jahr 1997. Wer hat Zugang zu meinem Kopf?, dachte ich. Wer kennt da meine Gedanken, meine Wünsche? Ich fühlte
mich durchschaut, verfolgt, belästigt, ich wusste nicht, wann die Stimme sich wieder melden würde. Und was sie noch alles zu mir sagen würde. Aber ich wusste von jetzt an: Ich bin nicht allein. Es gibt kein Geheimnis mehr.

"Es bleibet dabei, die Gedanken sind frei!" ist ein hübsches, ermutigendes Lied, doch wer jemals Stimmen hörte, achtet auf seine Gedanken und achtet auf die Stimme, die dazu - zu den Gedanken - spricht, hat einen Kommentator oder sogar mehrere, und man weiß ja noch, wie geteilt die Meinungen waren in den Siebzigerjahren, als das Fernsehen Stummfilme brachte mit Stan Laurel und Oliver Hardy respektive Dick und Doof. Oder mit Buster Keaton. Doch mit Kommentaren eben. So konnte, wer in Ruhe den Stummfilm
anschauen wollte, sich nur halb erfreuen, wenn immer wieder der Sprecher die Situationen deutete auf seine Art. Es gab damals viele, die sagten, die alten Filme seien wunderbar, aber der verkrampfte Kommentar verleide einem das Zuschauen. So drehte man eben den Ton ab. Das kann man beim Stimmenhören nicht oder nur mit entsprechenden Medikamenten.

Man kann eine Stimme ganz innen im Kopf wahrnehmen. Wie hat sich DER FREMDE MANN eingeschlichen, DER DA IN MIR REDET? Man kann die Stimme im Hals haben, auch im Halbschlaf, da zum Bei-spiel will etwas heraus zwischen den Stimmbändern, es ist, als stoße man oder jemand einen GRUNZLAUT aus in einem drin, und wenn ich nicht sehr an mich halte, wird dieser GRUNZLAUT aus mir HERAUSKOMMEN, die Stimmbänder verbiegen sich schon, mühsam halte ich die Stimme zurück. Da sitzt jemand in mir, oder mehrere, die haben sich eingeschlichen. Nun redet mir jemand in meine Gedanken hinein.

Oder die Stimme außen, viele Meter hinter mir, wenn ich auf der Straße gehe, ruft sie mir etwas zu. "Tu das nicht!!", höre ich, sehr laut. Ich bin auf dem Weg zum Postamt. "Tu das nicht!!" Soll ich das "nicht tun", diesen Brief nicht aufgeben, weitergehen? Soll ich auf die Stimme hören, ich bin doch nicht verrückt, nein, ich höre nicht auf fremde Stimmen, doch nur auf meine eigene. - Ein ganzes Konzert war es einmal. Seit ich trotz Medikamenten in meinen psychotischen Zuständen nichts Größeres, Zusammenhängendes mehr schreiben kann, es Wiederholungen gibt, ermüdende, man sich nicht auskennt, einfach die Qualität nachlässt, und zwar so, dass ein Verlagslektor allein dann (oder mehrere Lektoren) Texte "zusammenstoppeln" müssen, habe ich nicht mehr das Gefühl, eine Schriftstellerin zu sein. Aber wenn ich voll Verzweiflung in die Tasten haue (nur eine mechanische Schreibmaschine eignet sich da-zu), kann ich
hoffentlich für zehn, elf Seiten beim Thema bleiben.

Der mich betreuende Beamte am Sozialamt wunderte sich auch sehr, dass ich innerhalb weniger Jahre von einer relativ stets mittellosen Schriftstellerin zu einer in der Mitte der Neunzigerjahre mit 700.000 Schilling verschuldeten Existenz geworden war. Auf zu großem Fuß gelebt, ja, zum Beispiel regelmäßig Vorschüsse erhalten in der Höhe des Monatsgehalts einer Volksschullehrerin, doch dann hat der Verleger die Bücher nicht
verkauft, "Die bringen wir nicht an!", und somit schuldete ich dem Verleger die Vorschüsse.

Auf zu großem Fuß gelebt. "Kommen Sie mich besuchen!" Ja, gern. Ich gehe mit. "Gehen Sie mit mir einen Kaffee trinken." Ja, ich trinke Kaffee mit jemandem, der mir eigentlich gar nicht angenehm ist. "Frau Schwaiger, stellen Sie Ihre Ölbilder bei uns aus!" Ich schleppe meine stümperhaft gemalten Bilder alle hin. Nicht alle sind stümperhaft, doch viele eben schon. "Nehmen Sie einen Kredit!" Ich nehme einen Kredit, weil die Bank so nett ist zu mir. Eines Tages stehe ich da mit 700.000 Schilling Schulden.

Das war 1994. An diesem Schuldenberg arbeitete ich mich zehn Jahre ab, ich war Alleinerzieherin und musste für meinen Sohn und mich sorgen, lieferte Texte, Texte, Texte, die wurden vom Verlag zu "Büchern" zusammengestoppelt, und eines Tages war ich ein Wrack, da trank ich literweise Bier, jahrelang, und dann das große Zittern: Jetzt wieder sechs Dosen Bier, oder ich gehe ins Spital. Spital, Kalksburg, ambulante
Behandlung, wiederkehrende Depressionen, wieder Versuche mit Antidepressiva, schlagen nicht an, wieder mit Alkohol probiert, diesmal Prosecco. Ich fasse mich kurz, mein Schicksal hat nämlich fast jeder gehabt, den ich im Steinhof kennen gelernt habe. "Ein neues Buch", wie oft habe ich das schon vom Verleger gehört, "Sie brauchen nur ein neues Buch zu schreiben, dann geht es Ihnen auch psychisch besser", also: nicht nur
finanziell.

Im Jahr 2000 wollte der Langen Müller Verlag mein Buch "Die Ausländerin" partout nur unter dem Titel "Ich suchte das Leben und fand nur dich" veröffentlichen. Mit der "Ausländerin" hätte ich gerne gezeigt, wie es einer Österreicherin im Ausland gehen kann. So erschien das Buch unter dem Titel "Ich suchte das Leben und fand nur dich", Richtung Hedwig Courths-Mahler. Aus "Die Verwandten" machte Langen Müller 1991
"Tränen beleben den Staub". Anders gab's keinen monatlichen Vorschuss. Ich wollte Bücher schreiben, na ja, eines nur, eigentlich. Damit man mich nicht vergisst. In der Zeit, in der ich noch einen Computer hatte, schrieb ich (ich habe es mir einmal auf Papier ausgedruckt):

Die Mama schiebt das Wagerl. Die Mama hat die Haustüre aufgemacht. Dann sind sie hinausgefahren, und die Sonne hat gescheint. Schau, ein Auto. Das Auto ist laut. Das Auto ist gelb. Das Auto ist grün. Das Auto ist rot. Das Auto ist schwarz. Das Auto ist blau. Sie sind zu einem Geschäft gekommen. Mama, ich will Gummibärli. Mama kaufte Gummibärli. Dann sind sie aus dem Geschäft hinausgegangen. Die Gummibärli sind in einem Sackerl. Die Gummibärli sind rot. Die Gummibärli sind gelb. Die Gummibärli sind grün. Die Gummibärli sind weiß. Die Gummibärli sind orange.

Die Erinnerung mag ein Paradies sein, doch man kann aus ihm vertrieben werden. Ich hatte einmal sehr schöne Erinnerungen gehabt, und ein Mensch hatte sie mir zerstört. Immer wieder legte er alles, was ich ihm über eine glückliche Zeit meines Lebens erzählte, anders aus. Ein Mensch hat mich irre gemacht an meinen Erinnerungen, nun redet mir jemand in meine Gedanken hinein.

"Wenn Sie eine Schizophrenie haben, dann bin ich der Jean-Paul Belmondo", formulierte es einmal ein Arzt. Im Jahr 1995 zeigte ich zum ersten Mal einer psychiatrischen Krankenschwester meine mir selbst zugefügten Hautverletzungen. Man hätte das Wort "Borderline-Syndrom" aussprechen sollen, dann wäre ich nicht noch jahrelang wegen endogener Depression behandelt worden. Ein Borderliner kann depressiv sein, kann entsprechende Medikamente schlucken, doch erfordert das Borderline-Syndrom, die Borderline-Persönlichkeitsstörung, eine besondere Behandlung.

Eine gewisse Unruhe befällt mich, wenn ich in einer der Zuschriften nach meinem Artikel im "Spectrum" vom heurigen April ("Grüß Gott, Herr Doktor!") lese: "Besonders aber gratuliere ich Ihnen zu 600 Euro Sozialhilfe. Familienintern hatten wir darüber große Diskussionen, da mein Arbeitslosengeld zusammen mit der Sozialhilfe weit von diesem Betrag entfernt ist. Vielleicht könnten Sie mir verraten, wie Sie zu so einem Betrag kommen. Ich habe bereits eine Sammlung von Stellungnahmen diverser österreichischer Politiker, aber keiner konnte mir bis jetzt verraten, wie man in Österreich mit einer derartigen Erkrankung vorübergehend finanziell überleben kann."

Also: Außer, dass es ein Bundessozialamt gibt, die Adresse steht im Telefonbuch, kann man sich auf Sozialämtern Broschüren holen. Oder, deftiger, wie es der nun schon pensionierte, sehr gestrenge Herr Beamte bei uns im Bezirk erklärte: "Zu uns kommt, wer gar nix hat. Wer vollkommen mittellos ist. Wer kein Einkommen hat! Nichts! Wir sind die letzte Station sozusagen. Die allerletzte. Wenn Sie aber was verdienen oder besitzen, müssen S' woanders hingehen!"

In meinem Fall wurde einige Male telefoniert, wurden Briefe geschrieben, erhielt ich, da ich ohne Einkommen war bis auf lächerlich winzige Tantiemenbeträge, auch war ich ohne Ersparnisse, besaß kein Auto und auch keine sogenannten Liegenschaften, kurz, ich erhielt also ein Armutszeugnis ausgestellt, modern heißt es heute anders, mit dem ich zum Beispiel die Befreiung von der Rundfunkgebühr erwirkte. Auch bei anderen
Gelegenheiten legt man das Armutszeugnis vor, dann braucht man diese oder jene Abgabe nicht zu entrichten, man bezahlt keine Gebühr im Otto-Wagner-Spital. Das alles, die Hilfe vom Staat an den mittellosen Staatsbürger, wird mit diesem Dokument bewerkstelligt. Man legt es bei, weist es vor. Das Sozialamt hat mir auch eingeschärft, Bettlern nichts zu geben, denn die hätten monatlich genau den gleichen Betrag wie ich.

"Jeder von denen hat so viel wie Sie."

"Es wird einem eh alles g'schenkt, wenn man arm ist!", wie es einmal ein Arzt, der mich behandelte, formulierte. "Ihr arme Leut' habt's es gut!" Während hingegen er Steuern zahlen müsse. (Der arme Mann ist Primarius und übt seine Kunst an zwei Krankenhäusern aus sowie in einer sehr schönen Privatordination, aber natürlich, er arbeitet viel, und ich arbeite - nichts.)

"Ja, ja, Frau Schwaiger! Jetzt müssen S' einmal mit den Händen etwas arbeiten!", belehrte mich der junge Nachbar von gegenüber. Er ist Handelsvertreter. In Österreich muss kein Mensch verhungern, es hungern die Menschen nur seelisch. Eine wohlhabende Dame, sie wohnt fast im ersten Bezirk, und sie wohnt wunderbar behaglich, klagte, sie sei so einsam, sie würde gern unter einer Brücke schlafen, damit sie nicht immer so allein ist.

Eine andere Dame erzählte mir fast stolz, sie sei schon oft in der Baumgartner Höhe gewesen, nämlich jedes Mal, wenn sie sich selbst habe einliefern lassen, weil sie sonst ihre Wohnung angezündet hätte, sie war so allein. "Ich war so allein, ich habe den Mist nicht mehr hinuntergetragen, ich habe nichts mehr gegessen, ich habe mich nicht mehr auf die Straße getraut, ich bin nicht mehr aus der Wohnung gegangen, ich habe Angst
gehabt, ich habe dann die Rettung angerufen."

Es sind schon viele in solchem Zustand aus dem Fenster gesprungen, haben sich etliches gebrochen dabei, nur das Genick nicht. Sie sitzen schon mit Krücken daheim, im Rollstuhl. Sie werden, wenn sie sich wieder einliefern lassen, mit Krücken und in ihrem eigenen Rollstuhl eingeliefert. (Oder vielleicht steht einer Einlieferung samt eigenem Rollstuhl bürokratisch etwas entgegen.)

Es kommt ja niemand zu dir, wenn du psychisch krank bist. Allen erscheinst du fad. Du hast immer Depressionen, du lachst nie. Du wäschst dich nicht mehr, du riechst nicht gut, du hast langes, fettiges Haar, deine Kleidung ist nicht nur nicht gebügelt, sondern auch nicht sauber. Die Tabletten gehen einem aus, wenn man sich zu Hause mehr und mehr verwahrlosen lässt, man schafft ja den Sprung unter die Dusche nicht, den Sprung ins G'wand, man schafft weder den Weg zum Arzt, der das Rezept erneuern sollte, noch in die Apotheke, auch nicht zum Psychosozialen Notdienst, auch nicht aufs Sozialamt, man hat keinen Groschen mehr und keine Tschick, und bei vermehrten Selbstmordgedanken kommt eine starke Unruhe, man hat Angst, gleich wahnsinnig zu werden, und in mehr oder weni-ger solchen Zuständen (arm, weniger arm) kommt es dann zur Panikhandlung Fenstersturz oder Notruf Rettung. "Bitte, holen Sie mich ab . . . ich heiße . . . ich wohne . . . ich bin . . . Jahre alt . . ."

Es ist noch jedes Mal die Rettung gekommen, aber "Hätten S' net mitn Bus fahrn können, gnä Frau", "Hätten S' Ihna ka Taxi nehman können", "Da, gnä Frau, Ihna Taxi . . .!", sagte einmal ein Rettungsmann zu mir, als er mir die Tür zum Rettungswagen öffnete.

Das Auto ist schon fort. In dem Auto war ein Mann. In dem Auto war eine Frau. Das Auto ist blau, und es ist schon fort. Das Auto ist rot, und es ist schon fort. Das Auto ist grün, und es ist schon fort. Das Auto ist weiß, und es ist schon fort. Das Auto ist schwarz, und es ist schon fort. Das Auto ist gelb, und es ist schon fort.

Wir Psychotiker sind die einsamsten Menschen der Welt, weil wir ständig etwas glauben, was fast nie wahr ist, weil uns ständig Sorgen quälen, die irreal sind oder übertrieben oder fehl am Platz: Wie kann ein einziger Mensch in Europa verhindern, dass auf dem Erdteil Afrika täglich 30 Kinder verhungern? Psychose ist eine Erkrankung, die mitteilungsunfähig macht, erkenntnisunfähig. Wenn ich psychotisch bin, fühle ich mich getrieben, möchte gewissenhaft zu allen Men- schen freundlich sein, "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", "Tue Gutes", ich fange an, liebevolle Briefe zu schreiben an alle möglichen Menschen, kaufe Gegen-stände in großer Zahl und verpacke und verschicke sie als Geschenke, glaube mich zu versündigen, wenn ich "heute keinen Brief schreibe", ich trage oft viele Briefe aufs Postamt, finanziert wird mir das nicht von der Sozialhilfe, sondern von Leuten, die ab und zu meine Arbeit unterstützen (Nächstenliebe), denn ganz verrückt ist das, was ich tue, ja auch wieder nicht. So wie ein Psychotiker nie ganz verrückt ist. (Einen ganz verrückten Menschen habe ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen.)

Psychotiker glauben oft auch, dass etwas, was ihnen gesagt wird, anders gemeint ist, als es der Sagende meint, und zwar - es passiert ja auch unter Gesunden, so ein Missverständnis - ist es beim Psychotiker verstärkt. Ein Mensch kann sagen: "Alle sind wieder gegen mich." Dann hat er es gesagt, und dann vergisst er das. Ein Psychotiker kann wochenlang in der Einbildung leben, dass alle Menschen auf der Welt sich gegen ihn verschworen haben. Näheres kann jeder Interessierte lesen in den psychiatrischen Fachbüchern. Um sich nicht nur zu bilden in Menschenkunde, sondern auch zu informieren, was für eine Art Patienten denn so herumgehen in einem großen Saal in einem (Irrenhaus sagt man nicht mehr) Spital.

Mein Lebensinhalt war ab dem 9. November 1987 Mittag, es war ein Montag, mein Kind. Ich habe gewonnen, immer wieder gewonnen, im Kampf für meinen lieben Sohn (der sich im Übrigen ein bisschen für mich schämt, weil ich soziale Hilfe benötige und psychiatrische).

So lebensgefährlich wie eine schwere Depression ist eine Psychose nicht, weil man in der Psychose eigentlich glaubt, handeln zu müssen. Mehrfach werden Stimmen gehört, innen und außen, werden Lichter gesehen, und meine Ausbrüche waren meist schriftlich. Ich schrieb tagelang und nächtelang, ohne etwas zu essen und zu trinken. Es hatte niemand so viel Zeit, das alles zu lesen.

Ich kam durch andere mich stark bewegende Ereignisse aus den Psychosen stets selbst heraus, fiel zurück in die Depression, und dann handelte ich nicht mehr so, als müsste ich alle Menschen erlösen (den Armen geben, die Lügner überführen et cetera), sondern war einfach todunglücklich. Ich erinnere mich an eine Bahnfahrt, während der ich ständig überlegte, ob es nicht gut wäre, während der Fahrt die Tür zu öffnen und mich hinausfallen zu lassen. Es gibt immer wieder solche "Unfälle". Es gibt auch Menschen, die wissentlich bei starkem Verkehr auf die Straße gehen, eben um überfahren zu werden. Wen will ich belehren, wem etwas erzählen? Ich möchte die Menschen zum Sprechen bringen, die das schon einmal erlebt haben.

"Die Welt des Glücklichen ist eine andere Welt als die des Unglücklichen." (Jean Améry?) In der "Psych": Es ist genau wie draußen, in der Nacht ist keiner da. Aber aufhängen kannst du dich auch nicht, das ist der Vorteil. Gelobt sei Jesus Christus.

Alle Gummibärli schmecken gut.

Gummibärli kann man lutschen.

Gummibärli kann man beißen.

Gummibärli rutschen im Mund herum.

Gummibärli kann man schlucken.
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