home
achterbahn

LEKTÜRE

Frühlingserwachen und Depression

„Die schönste Jahreszeit, der Frühling beginnt und ich fühle mich depressiv, mag nicht aufstehen, mag nicht an die frische Luft. Unter Leute? Nein danke! Woran das wohl liegen mag?“ Diese Frage höre ich immer wieder und ehrlich gesagt, habe ich sie mir auch schon gestellt. Viele Menschen, die unter Depressionen leiden, klagen also darüber, dass sie gerade zu Frühlingsbeginn wieder einmal depressiv sind. ...
Die Meinung einer Betroffenen

Ich glaube, dass uns eine Aufbruchstimmung wie sie im Frühjahr in der Natur herrscht, lähmen kann. Die Bäume schlagen aus, die Vögel zwitschern schon um vier Uhr morgens und füttern ihren Nachwuchs. Das weckt in uns das Gefühl, dass wir auch Pläne schmieden, Neues anpacken, fleißig sein sollten und kann uns überfordern. Während rundherum also reges Treiben herrscht, fühlen wir uns kraftlos und ziehen uns zurück. Das kann dazu führen, dass unser Selbstwert einen massiven Einbruch erleidet, weil wir nichts weiterbringen und kann uns depressiv machen.

Die Expertenmeinung
Wie die Frühjahrsdepression in Zusammenhang mit der gleichnamigen Jahreszeit steht, beantwortet O. Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Siegfried Kasper, Primarius der Klinischen Abteilung für Allgemeine Psychiatrie der Universität Wien, in einem Interview wie folgt: „Die Umstellung von einer Jahreszeit auf eine andere – vor allem wenn sie dramatisch erfolgt – verlangt eine biologische Umstellungsleistung. Es sind letztlich unsere Systeme im zentralen Nervensystem, also im Gehirn, die diese Umstellung leisten müssen. Menschen, bei denen die Veranlagung besteht, depressiv zu reagieren, haben bei einer derartigen Umstellung Schwierigkeiten. Auch im sonstigen Leben haben diese Personen eher Probleme, auf Veränderung zu reagieren – also etwa die Wohnung zu wechseln.“ (Quelle: depression.at)

Die gute Nachricht
„Die Frühjahrsdepression ist behandelbar“, so Siegfried Kasper, „einerseits durch Gesprächstherapie, andererseits durch Medikamente – am sinnvollsten ist eine Kombination dieser beiden Behandlungsmethoden.“ Ich denke, wenn wir beginnen, unsere Gemütsverfassung nicht mehr nur als gegeben hinzunehmen und sie mit „Oh Gott, jetzt geht es wieder los!“ zu bewerten, sondern sie zu hinterfragen und darüber mit anderen zu reden, haben wir möglicherweise Einsichten, die uns einen Schritt weiterhelfen – hinaus aus der Gedankenspirale, die uns nach unten zieht. Und: Ein Spaziergang an der frischen Luft und das Wahrnehmen der Umwelt mit allen Sinnen, ein kurzer Tratsch mit dem Nachbarn oder einfach ein freundliches „Hallo“ sind Balsam für unsere Seele!

Von Michaela Wambacher, Redaktion Achterbahn



Kastanienallee am Traunsee zu Frühlingsbeginn. Foto: Michaela Wambacher

DRUCKEN SITEMAP IMPRESSUM