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VORWORT von DDr. Susanna Krainz

Mit der Gründung des Vereins Achterbahn, der sich selbst als „Plattform für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen“ sieht, haben die Bemühungen um eine organisierte Betroffenenbewegung in der Steiermark einen ersten großen Erfolg gelandet.

Der Weg „von der Selbsthilfegruppe zur Selbstorganisation“ dauerte viele Jahre, in denen sich das Engagement von Betroffenen, aber auch der Wille der Behörde – repräsentiert durch die im Jahr 2000 geschaffene Psychiatriekoordinationsstelle –  bereits ergänzte.

So wurde einzelnen Betroffenenvertretern im Zuge der strukturellen Reorganisation dieses Versorgungsbereiches – noch ohne formelle Organisation im Hintergrund – bereits die Beteiligung an Planungs- und Steuerungsprozessen durch die Teilnahme an den formellen agierenden Gremien angeboten, um Ihre Interessen vertreten und nicht zuletzt an der Gestaltung der Sozialpsychiatrie in der Steiermark mitwirken zu können. Durch diese Initiative der Psychiatriekoordinatorin sollte das häufig strapazierte Wort Entstigmatisierung auch vorbildhaft gelebt werden.

Getragen von der Idee des Trialoges sollen Betroffene – neben Angehörigen psychisch Kranker – von passiven Empfängern psychiatrischer Dienstleistungen zu aktiv mitgestaltenden Menschen werden; sie sollen nicht mehr andere über ihr Leben bestimmen lassen, sondern es selbst in die Hand nehmen; dazu gehört – neben der Wahrnehmung der eigenen Interessen – auch, dass Betroffene - im Sinne von peer-specialists – anderen Betroffenen Ihre Erfahrungen zur Verfügung stellen.

Obwohl diese Forderungen so selbstverständlich erscheinen und Betroffene sich seit der Psychiatrieenquete in den 1970ern für ihre Rechte einsetzen, fehlt bislang noch in den meisten Bundesländern eine etablierte Betroffenen-Vertretung.

Mit der Gründung des Vereins Achterbahn wurde in der Steiermark das Fundament für einen gelebten Trialog gelegt und ich wünsche mir für die Zukunft ein dynamisches Miteinander von Professionals und Betroffenen. Damit soll es möglich werden, brisante Themen im Bereich der Psychiatrieplanung mit formeller Beteiligung dieser Personengruppe zu diskutieren und ein den Vorstellungen und Erfordernissen psychisch Kranker entsprechendes sozialpsychiatrisches Versorgungssystem zu schaffen. Durch diesen Schritt sollte das häufig strapazierte Wort „Entstigmatisierung“ auch vorbildhaft mit Leben erfüllt werden.

Einführungstext von DDr. Susanna Krainz, Psychiatriekoordinatorin
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