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LEKTÜRE

Die Corona-Krise ... und wir? - 01: Anna P.

Anna G.*
Mit Kreativität durch die Krise

Ich leide an einer psychischen Beeinträchtigung. Während viele meiner Symptome mit der Medikation längst verschwunden sind, belastet mich - gerade in dieser Zeit der Corona-Krise - eine Depression. 

Ich war kurz im LKH Graz II, als die Pandemie in Österreich anfing und wurde prompt entlassen und nach Hause geschickt. Ich dachte, dass es sowieso der richtige Zeitpunkt gewesen wäre, um wieder nach Hause zu gehen. Doch das ständige Daheim bleiben hat mir gezeigt, dass die Depression noch da ist, dass ich etwas dagegen tun muss.

Nach einem Monat, in dem meine Stimmung zuerst sehr gut war (direkt nach dem Krankenhausaufenthalt), habe ich bemerkt, wie mein Antrieb zusehends sank – ich lag nur mehr im Bett herum, hatte kaum Motivation etwas zu tun. Auch meine Stimmung war sehr instabil, schon in der Früh nach dem Aufwachen hatte ich negative Gefühle, die nicht wegzugehen schienen. Darum habe ich beschlossen, meinen Arzt anzurufen, um die Medikation anzupassen. Seitdem geht es mir gefühlsmäßig wieder gut, wenn ich auch oft leicht bedrückt bin. Doch es ist milde im Gegensatz zu früheren Zeiten, etwa vor 10 Jahren als meine Depression so richtig ausbrach und ich mich sehr einsam fühlte. Ich kann mir vorstellen, dass es vielen Menschen in dieser Zeit auch so geht. Vor allem, wenn sie wenig Kontakte haben und sozial isoliert sind.

Die Achterbahn ist für diese Menschen ein Ort, an dem sie andere kennen lernen können und sich so nicht mehr so allein fühlen müssen. Um wenigstens für ein paar Stunden jede Woche eine Anlaufstelle für Menschen, denen es allein nicht so gut geht, zu schaffen, haben wir für die Zeit der Corona-Krise das virtuelle Atelier Achterbahn ins Leben gerufen. Wir haben dort immer einen regen Austausch, es wird gelacht und getratscht. Wer will kann sich nebenbei auch künstlerisch betätigen. Wir unterhalten uns öfter darüber, wie kreatives Tun in solch einer Zeit der Seele Ausgleich verschaffen kann.

Auch ich mache mich momentan oft ans Mandala malen, denn das beruhigt mich, lenkt mich ab und ist eine schöne Beschäftigung. Doch vor allem spiele ich E-Gitarre, mindestens eine Stunde am Tag, manchmal auch zwei. Tätigkeiten wie für die Uni lernen und Aufräumen fallen mir leider noch immer schwer, doch ich kann meinen Tag relativ angenehm gestalten. Darüber bin ich sehr froh, denn das wäre vor 10 Jahren noch nicht gegangen.

Die Corona-Krise stellt uns alle auf die Probe. Wir müssen uns mit uns selbst beschäftigen. Und das kann angenehm sein, aber auch sehr schwierig und psychisch (noch weiter) in eine Krise führen. Ich wünsche allen viel Widerstandsfähigkeit und Kraft in dieser Zeit und freue mich, einige eventuell im virtuellen Atelier Achterbahn **) zu sehen.

 

*) Über die Verfasserin:
Anna G. ist eine der beiden Leiterinnen des Atelier Achterbahn im Klubhaus Graz. Das Atelier war bis zur Corona-Krise und wird danach wieder jeden Freitag für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung, die sich kreativ betätigen möchten, in der Zeit von 10.30 bis 16.00 Uhr geöffnet seine. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Derzeit findet das Atelier Achterbahn in zeitlich eingeschränkter Form online statt.

**) Terminhinweis:
Atelier Achterbahn in der Corona-Krise
Online-Meeting immer freitags, von 14.00 bis 16.00 Uhr
→ Infos und Link zum Online-Meeting des Atelier Achterbahn:
M 0680 / 300 10 20 (erreichbar Mo-Fr. 10.00-16.00 Uhr)
office@achterbahn.st

Foto: (c) Atelier Achterbahn