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AKTUELLES

27.03.2019

Hochsensibilität versus Vulnerabilität

Nachlese zum Tetralogischer Fachaustausch am 20.02.2019 am Uni-Klinikum Tulln.


Hochsensibilität ist ein Phänomen, bei dem Betroffene stärker auf Reize reagieren als andere Menschen,diese also intensiver wahrnehmen und verarbeiten. Demgegenüber steht die Vulnerabilität. Vulnerable Menschen sind emotional verletzlicher als andere. Sie verfügen über weniger Resilienz - psychische Widerstandsfähigkeit, die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen.

Der Abend zu diesem Thema wurde von zwei Fachvorträgen eingeleitet: Prim. Prof. Dr. Martin Aigner, Leiter der klinischen Abteilung für Psychiatrie und psychotherapeutischen Medizin, beleuchtete die Entwicklung des Begriffs „sensory processing sensitivity“ seit der Publikation von Aron & Aron 1997 (ein Forschungsprojekt über die hochsensible Persönlichkeit) und die wissenschaftlichen Aspekte bis heute. Das Resilienz-Vulnerabilitäts-Modell wurde dem „Hochsensibilitätsmodell“ gegenübergestellt. Frau Dipl. Päd. Karin Abriel, diplomierte Pädagogin und Shiatsu-Praktikerin von "Mein Tempo“, berichtete aus ihrem reichen Erfahrungsschatz aus der Arbeit mit Kindern und dem Potential, das die Hochsensibilität bieten kann, wenn sie erkannt und verstanden wird.

Anschließend wurde das Thema "Hochsensibilität und Vulnerabilität" in vier Arbeitsgruppen vertieft, die Rolle der Hochsensibilität im Gesundheitswesen diskutiert und wurden diagnostische Aspekte der Hochsensibilität geschärft. Daraus ergab sich die Erkenntnis, dass Hochsensibiltät als Persönlichkeitsmerkmal ein Risikofaktor für die Entstehung psychischer Erkrankungen sein kann, gilt jedoch an sich als keine psychische Erkrankung. 

Im Sinne eines „Tetralogs" waren die zahlreichen Teilnehmer Betroffene, Angehörige, „Psychiatrie-Profis“ (Pflege, Ärzte, Therapeuten, …) und „Organisations-Profis“ (NÖGKK, NÖGUS, NÖ-Landeskliniken-Holding, Psychosozialer Dienst, …) 

Bei positiver Stimmung fand ein Austausch zu diesem aktuellen und wichtigen Thema auf Augenhöhe und mit gegenseitiger Akzeptanz und Wertschätzung statt. Das Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ermutigt zu Folgeterminen, die einerseits das Thema Hochsensibilität weiter aufbereiten und andererseits den Tetralog darüber fördern sollen.
(Verfasser: Sabrina Trinkl, Universitätsklinikum Tulln)

Im Bild: v.l.n.r. Prim. Prof. Dr. Martin Aigner, Dipl. Päd. Karin Abriel, Karin Novi und Christine Krumpek

Der erste Fachaustausch zum Thema "Hochsensibiltät versus Vulnerabilität" wurde vom Verein SAG7, Selbsthilfe- und Patientenorganisation für Menschen mit Hochsensibilität mit Obfrau Karin Novi in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Tulln, der stellvertretende Pflegedirektorin Frau DGKP Krumpek und der klinischen Abteilung für Psychiatrie und psychotherapeutischen Medizin organisiert.

--> Vorschau: 2. Fachaustausch
Die Obfrau der Selbsthilfe- und Patientenorganisation SAG7, Karin Novi lädt zum 2. Fachaustausch ein:

THEMA "Hochsensibilität: Fluch oder Segen“
Unter der Mitwirkung von Prof. Prim. Dr. Martin Aigner, Vorstand der Abteilung für Erwachsenenpsychiatrie am Universitätsklinikum Tulln, 

TERMIN: Mittwoch, 12.06.2019, von 16:00 – 18:00 Uhr
Seminarraum des Universitätsklinikums Tulln (Keller)
3430 Tulln, Alter Ziegelweg 10

Ziel dieses Fachaustausches ist, Themen aus dem Blitzlicht der ersten Veranstaltung genauer zu durchleuchten.

Betroffene, Angehörige, Professionisten melden sich bitte bis spätestens 26.04.2019 bei Frau Karin Novi, SAG7 zum zweiten tetralogischen Fachaustausch an.
KONTAKT: T: 0664 406 40 42 | E: info@sag7.com | W: www.sag7.com