achterbahn

AKTUELLES

05.06.2019

Stigmatisierung von psychischer Erkrankung durch Medienberichterstattung

Immer wieder tauchen in den Medien Beiträge auf, die durch Bild- und Wortwahl Menschen mit psychischer Erkrankung stigmatisieren.
Kommentar zu einem aktuellen Beispiel.


Lesen Sie nachfolgend den Kommentar zum Bericht "Ein grauenvoller Mord ohne Mörder" (erschienen in der Grazer Ausgabe der Kleinen Zeitung, am 04.06.2019, S. 16)

Der Bericht "Ein grauenvoller Mord ohne Mörder", in dem es um die Einweisung eines Menschen in eine Fachklinik geht, der in einem psychischen Ausnahmezustand einen unschuldigen Menschen getötet hatte, bestätigt die Dringlichkeit des laufenden Projektes von HPE und MedUniWien "stigmafrei - Empfehlungen für die Medienberichterstattung in Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen", bei dem ProfessionistInnen, Angehörige und Betroffene, u.a. auch der Verein Achterbahn zusammenarbeiten.

Auf den ersten Blick ist man geneigt, den betreffenden Beitrag durchaus als eher seriös im Vergleich zu anderen einzustufen. Erst auf den zweiten Blick ergeben sich zahlreiche Einwände und die Befürchtung, dass damit Menschen mit psychischer Erkrankung weiterhin verstärkt stigmatisiert und ausgegrenzt werden. Vor allem drängt sich die Frage auf, welche Relevanz es hat, die psychische Erkrankung des Täters, der bereits in einer Anstalt für abnorme Rechtsbrecher untergebracht ist, anzuführen, dies nämlich in Anbetracht der Tatsache, dass laut Statistik in Österreich nur eine/r von 50.000 psychisch Erkrankten gewalttätig wird? Käme ein/e Journalist/in auf die Idee, über eine somatische Beeinträchtigung wie z.B. Diabetes oder eine Herzerkrankung in Zusammenhang mit einer Gewalttat zu berichten? Um welchen Preis befeuert der Beitrag die bestehende Angst in der Bevölkerung weiter, dass Menschen mit psychischer Beeinträchtigung potentiell gefährlich seien?

Die oben angeführten Empfehlungen, eine entsprechende Homepage und die geplanten Maßnahmen, mit denen diese Empfehlungen in weiten (Medien)Kreisen Verbreitung finden sollen, werden im Frühherbst 2019 von HPE und MedUni Wien der Öffentlichkeit präsentiert! Bleibt zu hoffen, dass eines schönen Tages stigmatisierende Artikel der Vergangenheit angehören und wir in einer Gesellschaft leben dürfen, in der es keinen Unterschied macht, ob man psychisch oder körperlich beeinträchtigt ist oder nicht.

Verfasserin:
Michaela Wambacher
Sie erreichen die Verfasserin unter
redaktion@achterbahn.st

 

LINK: HPE - Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter