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AKTUELLES

14.07.2020

Fast 50 % der ÖsterreicherInnen hat Erfahrung mit psychischer Erkrankung

Eine Erhebung des BÖP zeigt: Fast die Hälfte der ÖsterreicherInnen war schon einmal mit psychischer Erkrankung konfrontiert. 


Eine im Juni 2020 publizierte Studie des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen legt nahe, dass rund 50 Prozent der ÖsterreicherInnen zumindest einmal in ihrem Leben von psychischer Erkrankung betroffen waren oder aktuell sind. Nach wie vor berichten eher Frauen als Männer von ihrer psychischen Belastung.
1.280 Euro betragen die durchschnittlichen Kosten für eine psychotherapeutische Behandlung. Für mindestens 65 % ist eine selbstfinanzierte Therapie jedoch nicht leistbar.*

Zahlen, die zu denken geben, stehen Armut und psychische Erkrankung doch in engem Zusammenhang. So rutschen Betroffene psychischer Erkrankungen eher in die Armut ab, als gesunde Personen, während wiederum für von Armut bedrohte oder unter der Armutsgrenze lebende Menschen ein höheres Risiko besteht, eine psychische Belastung zu entwickeln, als bei solchen, die finanziell abgesichert sind.

Armut ist also nicht nur ein Indikator für psychische Erkrankungen, sondern erschwert Personen mit psychischer Belastung auch den Zugang zu professioneller Hilfe, denn die Kassenplätze für Psychotherapie sind rar. Bei Kosten von 60 bis 130 Euro pro Sitzung kann nicht jede Person eine Therapie aus der eigenen Tasche bezahlen. Viele der Betroffenen leben jedoch knapp an oder unter der Armutsgrenze. Durchschnittlich betragen die Wartezeiten für einen Kassenplatz in Österreich sechs Monate, was für allem für Menschen, die dringend professionelle Hilfe benötigen, mit hohem Leidensdruck verbunden sein kann.

So ist es wenig verwunderlich, dass nur 10 % der im Rahmen der Online-Erhebung befragten Menschen finden, dass in Österreich Menschen mit psychischer Erkrankung ausreichend geholfen wird. 9 von 10 Personen, die bei psychischer Belastung professionelle Hilfe in Anspruch genommen haben, berichten, dass diese Hilfe – zumindest in Teilbereichen – effektiv gewesen sei, sie also langfristig von Beratung und/oder Psychotherapie profitieren konnten.**

Aus den Ergebnissen der Untersuchung zeigt sich deutlich, dass in Österreich viel zu wenige Kassenplätze für Psychotherapie bestehen. Diese Tatsache spiegelt sich auch in der allgemein geringen Zufriedenheit befragter ÖsterreicherInnen mit der Versorgung psychisch erkrankter Personen wieder.

Es ist an der Politik, die Situation für betroffene psychischer Erkrankung zu verbessern, zum einen, weil eine Psychotherapie langfristig zur Gesundheit und damit zu einer Steigerung der Lebensqualität beiträgt. Zum anderen verbessert psychische Gesundheit selbstverständlich nicht nur die Situation von psychisch Erkrankten und deren Angehörigen, sondern auch das Wohlbefinden und in der Folge die Leistungsfähigkeit von Betroffenen. Adäquate Versorgung psychisch belasteter Personen ist somit der gesamten Gesellschaft zuträglich.

Eine psychische Erkrankung kann uns alle treffen.
Klar gezeigt hat uns dies die „Corona-Krise“, deren gesamtes Ausmaß an Folgen für die Gesellschaft zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vollkommen abgeschätzt werden kann. Sicher ist jedoch, dass die Krise gesunde wie auch vorbelastete Menschen herausfordert und an ihre Grenzen bringt. Daher ist es nun definitiv an der Zeit, das Versorgungsnetz für psychisch belastete Personen auszubauen.

Noch für 9 Wochen kann die Petition des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen für eine bessere Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Österreich unterschrieben werden.

Verfasserin: Ina Plattner


Zur Petition >>

* Quelle LINK >>

** Detailliertere Infos finden Sie HIER >>

Foto: Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen