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AKTUELLES

24.11.2020

Graz! Schreib‘s dir von der Seele: „Maskenbefreit“

Lerko Tarons setzt sich in seinem Text kritisch mit der Maskenpflicht und den damit verbundenen Herausforderungen im Alltag während der Corona-Krise auseinander.


Lerko Taron
Maskenbefreit

"Das mit der Maskenpflicht haben Sie auch nicht kapiert..."
"Der trägt ja gar keine Maske..."
Und natürlich noch die bösen Blicke. Da ist mir lieber, jemand fragt nach, daraus entstehen dann meistens freundliche Gespräche, wenn ich es ihnen erklären kann.
Ansonsten regiert das Vorurteil oder bei manchen Neid. Hey, in 90% der Fälle würde keiner mit mir tauschen wollen. Aber ja, ich denke nicht viel und fühle das auch nicht wirklich. Aber ich spüre es. Die Schwingungen der Mitmenschen stecken an. Wenn ich auch meistens fröhlich und voll Energie bin, innerlich friere ich immer wieder.
Ich habe eine ärztliche Bestätigung dabei. Ich atme häufiger ein, meine Nase ist verengt, ich bin draufgefallen, mir ist etwas draufgefallen, vielleicht auch einfach so. Normal merke ich nichts davon, aber mit Maske davor schon. Dann kommt es bald zu Sauerstoffmangel oder Hyperventilation, das löst häufiger epileptische Anfälle aus. Epilepsie hatte ich vorher schon.
Zum Glück bin ich auch zuvor schon fast immer zu Fuß gegangen und selten wo hinein. Ich bin sowieso lieber draußen.
Aber es war kein Problem, was einzukaufen (meistens Lebensmittel), in die Öffis rein (seit ich die Sozialcard habe),... Inzwischen spüre ich die Ausgrenzung und Vorurteile deutlich. Vielleicht haben Sie mich schon irgendwo gesehen. Ich sehe nicht krank aus (außer wenn ich gerade einen epileptischen Anfall habe), und auch sonst wirke ich gesund, schlank, durchtrainiert, dazu einige Narben und Tätowierungen und meistens mit Sonnenbrille.
Ich war es auch zuvor gewohnt, von manchen Menschen mit Vorurteilen betrachtet zu werden. Das war mir aber so was von egal. Das fand ich sogar oft komisch.
Ich bin einfach so, optimistisch, lebe im Moment, freue mich an Kleinigkeiten, mag es, mich viel zu bewegen und ich bin zufrieden. Ich brauche nicht mehr Geld, keine größere Wohnung, Auto sowieso keines. Im Gegenteil, ich möchte nicht geschenkt ein "normales" Leben.
Aber Akzeptanz und Menschlichkeit im Umgang miteinander.
Ich rede hier nicht nur für mich. Auch andere Menschen, die ohne Maske einkaufen, Öffis fahren, usw, dürfen, kennen wahrscheinlich blöde Kommentare und bösen Blicke.
Gerade aber durch die Verantwortung dadurch halte ich extra Abstand, und war auch vorher nicht bei noch erlaubten Treffen. Bei meiner Arbeit als Regalbetreuer arbeite ich seit einigen Wochen von 5 - 7:30, damit keine Kunden im Supermarkt sind, und auch weniger Kollegen. Und wir haben genug Abstand dazwischen. Ich bin so glücklich über meine Arbeit, die Tätigkeit, das gemeinsame Arbeiten und kurze Gespräche. Außerdem gehöre ich dadurch sogar zu den "Helden", wie wir im Frühling genannt wurden.
Das wissen die, die mich sehen, alles nicht.
Nicht jeder ohne Maske ist ein Corona-Leugner oder will provozieren. Wir haben die Maskenbefreiung nicht ohne Grund und es meistens vorher auch schon schwierig gehabt.
Ich rege mich nicht darüber auf, jammere nicht und verurteile keinen, es geht mir um mehr Toleranz untereinander.
Gerade wo die Zeiten schwer sind und viele Leute mehr Sorgen und Probleme haben, sind Vorurteile echt unnötig und abwertend. (Das sind sie sowieso.)
Lasst uns das beste daraus machen.

Herzliche Grüße
Lerko Taron


BUCHTIPP:

Lerko Tar0n
Bruchstücke und Rettungsanker

2020 bei MyMorawa im Selbstverlag

Paperback 10,00 € inkl. MwSt.
ISBN: 978-3-99118-075-3

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Projekt "Graz! Schreib’s dir von der Seele!"
Der Verein Achterbahn, HPE Steiermark und Stadt Graz/Gesundheit laden Sie ein, Ihre Sorgen und Ängste hinsichtlich der Corona-Krise zu Papier zu bringen und sie mit anderen zu teilen.

Jobverlust, Zukunftsängste, gesundheitliche, soziale und persönliche Probleme: Wir alle sind durch die Einschränkungen in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie mehr oder weniger betroffen, in körperlicher und seelischer Hinsicht. Vor allem psychische Belastungen haben seither stark zugenommen und führen vermehrt zu Depressionen, Ängsten und Schlafstörungen.

Wir möchten dafür ein Ventil schaffen und gemeinsam etwas dagegen tun!

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