achterbahn

AKTUELLES

19.04.2021

Öffne deinen Erfahrungsschatz: Resilienz und was mir guttut

Anika P. schildert in ihrem Text ihre Gedanken zu Resilienz und teilt ihre persönlichen Strategien zur Bewältigung psychischer Krisen


Text Anika Resilienz – als ich das Wort zum ersten Mal hörte, dachte ich: „Das ist bei mir schwach ausgeprägt.“ Ich dachte so etwas, weil ich immer wieder mit negativen Gedanken, mit unangenehmen Gefühlen und destruktiven Verhaltensweisen zu kämpfen habe, die vor allem einer Person schaden: mir selbst. Darum schloss ich daraus, ich sei wenig resilient, da ich schlecht mit Stress umgehen kann und immer wieder mein niedriger Selbstwert an mir nagt. Doch all das sind Symptome meiner Krankheit und dafür kann ich nun mal nichts. Mit einer psychischen Krankheit umgehen zu lernen, erfordert Resilienz, doch man kann es nicht allein schaffen. Nicht zuletzt die Psychotherapie hilft mir, mit meiner Erkrankung leben zu können und eine Besserung der Symptome zu erfahren. Resilienz bedeutet für mich, dass ich nicht aufgebe und weiter an mir arbeite. Der Grundsatz, der mir immer wieder hilft, ist: Es kommen immer bessere Zeiten, auch wenn es im Moment nicht so scheint.

Wenn es mir nicht gut geht…

  • Denke ich daran, was ich in der Psychotherapie gelernt habe und versuche, negative Gedanken zu stoppen und andere Perspektiven zu suchen
    Versuche ich, mir etwas Gutes zu tun, z.B. nehme ich ein Bad
  • Wende ich mich etwas zu, was mich an die schönen Dinge in meiner Kindheit erinnert wie z.B. einem Comicbuch
  • Gönne ich mir etwas, z.B. esse ich etwas Gutes
  • Schaue ich im Fernsehen meine Lieblingsserien, die mich ablenken und mich meine Sorgen ein wenig vergessen lassen
  • Schaue ich darauf, dass meine Wohnung gut temperiert ist, dass ich genug gegessen habe, dass ich früh genug schlafen gehe
  • Kuschle ich mit meinen Stofftieren
  • Rufe ich Freunde und Familie an und erzähle ihnen, warum ich mich nicht gut fühle (oder manchmal hilft es auch, über etwas komplett anderes zu reden)
  • Rufe ich meine Psychiaterin an und frage sie, was ich bei den Medikamenten verändern könnte, damit es mir besser geht
  • Gehe ich im Notfall in die Psychiatrie
  • Nehme ich Krankenstand und rufe meine Hausärztin an, damit sie mich krankschreibt
  • Suche ich vermehrt Kontakt zu anderen; manchmal hilft es jedoch auch, allein zu sein oder es zumindest zu versuchen
  • Versuche ich, mir selbst zu sagen und zu zeigen, dass ich mich liebhabe, auch wenn es schwer ist
  • Versuche ich mich an meine Stärken, meine Interessen und Hobbies, meine Fähigkeiten und die Dinge, die ich gerne mag und mache zu erinnern
  • Lieg ich manchmal einfach einmal im Bett herum und mache gar nichts und erinnere mich, dass es auch okay ist und dass ich nicht immer produktiv sein muss
  • Mache ich meine „Skills“: das sind Verhaltensweisen, die Spannung abbauen und mich von den plagenden Gefühlen und Gedanken ablenken – diese habe ich
  • in der Dialektisch-behavioralen Verhaltenstherapie erarbeitet
  • Schreibe ich Personen, denen ich vertraue und im Notfall meiner Therapeutin
  • Mache ich einen Termin mit meiner Ärztin, Psychotherapeutin oder Mobilen Betreuerin aus
  • Gehe ich hinaus an die frische Luft und sonne mich
  • Höre ich Musik, die mir guttut
  • Nehme ich meine Medikamente regelmäßig in der verschriebenen Dosis, um den Zustand nicht weiter zu verschlechtern
  • Suche ich mir Hilfe bei psychiatrischen und psychologischen Fachpersonen und Selbsthilfegruppen
  • Schreibe ich Tagebuch
  • Denke ich daran, dass der Zustand nicht ewig anhalten wird, sondern dass auch wieder bessere Zeiten kommen werden, in denen ich mich besser fühlen werde
  • Spüre ich in mich hinein und versuche, Situationen/zwischenmenschliche Kontakte zu vermeiden, die mir nicht guttun
  • Springe ich auch einmal über meinen Schatten und probiere neues aus, wie z.B. in der Tagesstruktur eine neue Tätigkeit anzufangen, die ich bisher vermieden habe
  • Suche ich aktiv das Gespräch mit Fachpersonen, denn sie sind auch nur Menschen und können nicht „riechen“, wenn ich Gesprächsbedarf habe
  • Versuche ich, mich in einer Gruppe einzubringen und nicht nur zurückzuziehen
  • Manchmal ziehe ich mich jedoch aktiv zurück, wenn ich Ruhe brauche
  • Versuche ich, nicht alles schwarz-weiß und katastrophal zu sehen, sondern auch das Mittelmaß zu finden
  • Erinnere ich mich, dass auch andere an ähnlichen Problemen leiden und ich nicht allein bin auf dieser Welt

 

Über die Verfasserin:
Anika P. hat gelernt, sich einige „Skills“ aufzubauen, die ihr in einer psychischen Krise, sowie im alltäglichen Leben, helfen, einen klaren Kopf zu bewahren. Ihre Überzeugung ist, es gehöre viel geübt, um mit den eigenen Emotionen klarzukommen, doch sie ist zuversichtlich, dass immer alles besser und besser werde. Resilienz bedeutet für sie, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, aber alles gemäß den eigenen Fähigkeiten und mit viel Geduld für sich selbst – Schritt für Schritt, Tag für Tag.

 

Öffne deinen Erfahrungsschatz CALL FOR PAPERS

Öffne deinen Erfahrungsschatz!
Was machst du in (seelischen) Krisensituationen, damit es dir wieder besser geht?

Der Verein Achterbahn lädt dazu ein, persönliche Erfahrungen im Umgang mit Krisen zu teilen.
Gib dir einen Ruck und schicke uns deine Erfahrungen!
Ziel ist, dass – im Sinne der „Hilfe zur Selbsthilfe“ – ein Pool aus Ideen und Geschichten entsteht, auf den Menschen, denen es gerade nicht so gut geht, zugreifen können.

Weitere Infos zur Texteinreichung im Rahmen des Projekts „Öffne deinen Erfahrungsschatz“ findest du HIER >>